Michael Trippel im Interview ...

... über seine Aufgaben als sportlicher Leiter und die Herausforderungen der anstehenden Saison


Bald ist es wieder soweit. Am 23.09.2022 wird erstmals nach dem Saisonabbruch 2021 wieder vor heimischer Kulisse in der schaafheimer Kulturhalle gerungen. Nachdem in einigen Teilen Deutschlands bereits Anfang September begonnen wurde, starten die Ringer der Ober- und Hessenliga in Hessen zeitgleich mit den Bundesligamannschaften ab Ende September in die Saison. Schaafheims Pressesprecher Jonas Höreth nahm den anstehenden Saisonstart als Gelegenheit wahr, um seinen Vorstandskollegen und ASV Kaderplaner Michael Trippel zu interviewen.

JH: Michael wir möchten den Ringsportbegeisterten die Wartezeit zum Saisonstart etwas verkürzen. Seit einigen Jahren hast du eine tragende Rolle beim ASV Schaafheim inne. In dieser Zeit ist viel passiert. Der Verein hat Erfolge gefeiert, musste aber auch schwierige Zeiten und Niederschläge – vor allen Dingen im Zusammenhang mit der Pandemie – durchstehen. Dennoch konnte man in der letzten Saison viele neue Gesichter beim ASV Schaafheim begrüßen und vor allen Dingen jüngere Menschen für den Sport begeistern. Wie kamst du selbst mit dem ASV Schaafheim und dem Ringkampfsport in Kontakt?

MT: Ich habe 1980 mit 7 Jahren angefangen zu ringen. Mein Opa und mein Vater haben bereits gerungen. Da war es ganz klar, dass der „Bub“ dann auch zum Ringen gehen wird. Das lief auch zu Beginn ganz gut, jedoch habe ich mich dann im Teenageralter öfter heimlich in das Fußballtraining geschlichen. Irgendwann bekam mein Vater das heraus und war ganz und gar nicht begeistert. Ich habe dann einige Jahre Fußball gespielt und das Ringen vernachlässigt, bis ich mit Anfang 20 dann doch noch einmal zum Ringen fand. Das war eine sehr schöne Zeit. Wir sind 1997 mit der zweiten Mannschaft Hessenligameister geworden und die erste Mannschaft befand sich in der 1. Bundesliga. Später wurde diese Mannschaft dann zurückgezogen und der Rest der Geschichte ist in Schaafheim gut bekannt denke ich.

JH: Es gab danach auch wieder eine Zeit in der man dich seltener zu Gesicht bekam. Nach einigen Jahren abseits von Schaafheim, hast du dich dann jedoch entschieden, dich noch einmal beim ASV zu engagieren. Wie kam es dazu?

MT: Der Kontakt ist ja nie abgerissen und man ist immer im Austausch geblieben. Ich habe eine Zeit lang in Arheilgen und Pfungstadt gerungen und kam in der Vorstandszeit von Roland Böhm zurück nach Schaafheim. Das war 2013 und ich habe dort in der zweiten Mannschaft gerungen. Ich war dann selbstverständlich schon etwas älter als die im Schnitt doch sehr jungen Mannschaftsmitglieder der ersten und zweiten Mannschaft zu dieser Zeit. Man fragte mich dann irgendwann, ob ich mit vorstellen könnte etwas mehr Verantwortung zu übernehmen. Ich habe dann das Amt des Mannschaftsführers übernommen und habe das auch sehr gerne gemacht.

JH: Nun bist du ja in den vergangenen Jahren weniger als Mannschaftsführer, sondern viel mehr als Kaderplaner und technischer Leiter in Erscheinung getreten. Wie kam es dazu?

MT: Roland Böhm fragte mich 2016, ob ich mir vorstellen könnte so eine Position einzunehmen, um Ihn und die anderen Vorstandsmitglieder in dieser Hinsicht etwas zu entlasten. Ich bin allgemein recht kommunikativ und habe Spaß daran gehabt mich mit anderen Sportlern auszutauschen. Wir hatten in diesen Jahren langsam etwas Probleme bekommen eine adäquate Oberligamannschaft zu stellen. Ich wollte helfen perspektivisch wieder eine schlagfertige Truppe zusammenzustellen. Das ist uns denke ich über Umwege nun auch endlich gelungen.

JH: Im Jahr 2019 hat der ASV Schaafheim begonnen sich gesamtheitlich neu aufzustellen. Du bist seitdem auch offiziell Teil des Vorstandsteams. Hat das etwas im Hinblick auf deine Tätigkeiten verändert?

MT: Das war natürlich schon ein Umbruch im Verein, der da stattfand. Personen wie Roland Böhm, Norbert Kreh, Rainer Höreth und Damir Urban sind dann etwas in den Hintergrund gerückt. Die haben den Verein zuvor schon sehr stark geprägt. Es ging dann darum einen etwas verjüngten Vorstand zusammenzustellen, um den Verein langfristig am Leben zu halten und eine Perspektive zu schaffen. Da waren neben mir auch andere bereit Verantwortung zu übernehmen. Mit Max Musel, Stefan Landrock, Patricia Buchheimer, Leyla Lucyga, Ulrich Bartos und Steffen Thomas sowie dir, sind wir da schon super aufgestellt und haben immer kurze Wege um Themen die aufkommen abzuklären. Für mich bedeutet das natürlich, dass ich mit diesem offiziellen Amt, welches ich seitdem begleite, etwas besser agieren kann. Grundsätzlich hat sich in meinem Teil der Vereinsarbeit aber vor allen Dingen mit Hinblick auf die immer stärker werdende Oberliga einiges verändert.

JH: Einigen Begegnungen in der hessischen Oberliga kann man mittlerweile durchaus Bundesligaqualitäten zuschreiben. Woran liegt das und wie hat der ASV Schaafheim auf diese Veränderungen reagiert?

MT: Das hängt vor allen Dingen mit der Abschaffung der zweiten Bundesliga zusammen. Diese wird ja in diesem Jahr glücklicherweise wieder eingeführt. Dadurch sind viele Sportler, deren Niveau für die erste Bundesliga nicht ganz ausreichte, in die Oberliga gewechselt und haben das Niveau entsprechend angehoben. In diesem Zuge kam auch das Gefühl auf, dass konkurrierende Vereine bereit waren, immer mehr Geld für neue Sportler in die Hand zunehmen. Das hat das Gleichgewicht in der Oberliga etwas durcheinandergebracht, sodass auch wir uns neu orientieren mussten. Mit dem Rückzug in die Hessenliga wollten wir dann einen sauberen Aufbau gestalten und uns neu sortieren.

Wir haben dann geschaut wie wir da einen „Schaafheimer Weg“ finden, um mit den Rahmenbedingungen der starken hessischen Ligen umzugehen. Neben der Gewinnung von neuen Sponsoren, wollten wir vor allen Dingen unsere Heimkämpfe zu einer echten Veranstaltung machen. Wichtig war es uns mehr Menschen für den Sport zu begeistern. Das hat den Vorteil, dass wir andere Sportler eher dafür gewinnen konnten in einer ausverkauften Halle in Schaafheim zu ringen als anderswo und hinzu kommt dann natürlich der Nebeneffekt, dass wir mehr Budget haben um unsere eigenen Leistungsträger zu halten.

JH: Wenn wir nun schon davon sprechen Sportler hinzuzugewinnen. In den vergangenen Jahren ist der Kader vor allen Dingen in der breite sehr stark gewachsen. Worauf legst du als Kaderplaner hierbei besonderen Wert?

MT: Da wir mittlerweile mit zwei Mannschaften in den zwei höchsten hessischen Ligen starten, brauchen wir natürlich eine gewisse Breite im Kader. Die Vergangenheit hat immer wieder gezeigt, was passieren kann, wenn man da nicht entsprechend aufgestellt ist. Das Hauptaugenmerk liegt dann immer erstmal darauf, jemanden zu finden, der charakterlich in die Mannschaft passt. Wir legen sehr großen Wert darauf, auch außerhalb der Sporthalle miteinander im Austausch zu bleiben. Das wünschen wir uns auch von auswärtigen Sportlern. Oberstes Ziel ist es Sportler aus der Region zu gewinnen die entsprechendes Entwicklungspotential mitbringen. Dann zählt natürlich auch die sportliche Qualität und zum Schluss muss man sich auch finanziell einig werden. Wir überzeugen da in der Regel mit Vorteilen abseits der Kampfbörse. Finanziell möchten wir einen sehr konservativen Weg gehen und uns da nicht so weit aus dem Fenster lehnen.

JH: In diesem Jahr kamen Mannschaftsübergreifend ganze acht Sportler hinzu. Könntest du auf die einzelnen Sportler kurz eingehen und erläutern, welchen Platz diese zukünftig beim ASV einnehmen werden?

MT: Das ist natürlich ein ganzer Haufen und wir haben in diesem Jahr einiges an Qualität gewonnen. Mit Tom Ouzounis (ASV Dieburg) und Marius Botezatu (SG Arheilgen) konnten wir zwei der größten Freistil-Talente der Region gewinnen. Beide sind noch sehr jung und sollen über die Hessenliga behutsam an das Oberliganiveau herangeführt werden. Tom wird hier vor allen Dingen Einsätze im Limit bis 57 kg erhalten, während Marius in den Gewichtsklassen 61/66 kg startet. Hinzu kommt Cengiz Eker, der in der Hessenliga im Limit bis 75 kg kämpfen wird. Er hat in der Jugend erfolgreich beim TSV Gailbach gerungen und dann lange Zeit pausiert. Seit dem letzten Jahr trainiert er allerdings wieder bei uns und zeigt sich sehr fleißig und ambitioniert. Ergänzt wird das Ganze dann mit Dominik Diessner durch einen bekannten Routinier der bereits Bundesligaerfahrung gesammelt hat. Dominik kam im letzten Jahr als Gastringer aus Münster zu uns und entschied sich dann beim ASV zu bleiben. Er soll als Führungsperson fungieren und der Mannschaft mit seiner Erfahrung weiterhelfen.

Was den Oberligakader angeht klaffte nach dem schmerzhaften Abgang von Tom Pusch die Lücke im 71/75 kg Limit im klassischen Stil noch stärker als im vergangenen Jahr ohnehin schon. Da standen wir besonders unter Zugzwang und konnten mit Lukas Fischmann einen Ur-Schaafheimer Athleten zurückgewinnen. Er ist ein ganz wichtiger Baustein in unserem Kader und quasi schon als Publikumsliebling gesetzt. Im Training präsentiert er sich derzeit sehr stark. Ergänzt wird das 75/80 kg Limit dann durch Jakob Eich der vom Bundesligisten KSC Hösbach zu den Bachgaubären wechselt. Zu ihm hatten wir im Vorjahr schon sehr engen Kontakt. Er entschied sich jedoch es in der Bundesliga zu versuchen und hat seine Erfahrung gesammelt. Nun sind wir sehr froh, dass er sich dem ASV anschließt.

Mit Zoltan Szep konnten wir dann noch einen Sportler vom SC Großostheim verpflichten, der uns zusätzliche Flexibilität in den oberen Gewichtsklassen ermöglicht. Zoltan hat zwei Jahre in Schaafheim gewohnt. Wir stehen seit langer Zeit in Kontakt. Er kennt die Mannschaft und hat schon sehr oft in Schaafheim trainiert. Er wird uns in jedem Fall weiterhelfen. Und dann ist da natürlich noch die Kirsche auf dem Sahnetörtchen – Marcus Plodek. Er hat in Schaafheim das Ringen gelernt und ist einer unserer erfolgreichsten Eigengewächse der jüngsten Vereinsgeschichte. Marcus hat seit seiner Kindheit nahezu ununterbrochen auf Bundesliganiveau performt und steht uns in diesem Jahr erstmals nicht nur als Trainer, sondern auch als Sportler zur Verfügung. Das macht uns Alle beim ASV sehr stolz.

JH: Das klingt nach einem sehr vielversprechenden Kader. Welche Erwartungen hast du an die Saison 2022 und was traust du der Mannschaft zu?

MT: Die Liga ist natürlich extrem stark. Alle Mannschaften haben kräftig aufgerüstet und kein Gegner ist zu unterschätzen. Im letzten Jahr hatten wir gesehen, was in so einer Saison alles passieren kann. Da haben wir quasi Himmel und Hölle erlebt. Wir sind grandios gestartet und hatten sogar den späteren Oberligameister am Rande einer Niederlage. Dann haben wir auf Grund von Verletzungspech und Corona aber auch herbe Niederlagen – besonders im Derby gegen Großostheim – hinnehmen müssen. Es kann also immer Alles passieren. Wenn wir jedoch die gesamte Saison über aus dem Vollen schöpfen können, sind wir durchaus in der Lage auch einmal die Top-Favoriten zu schlagen. Im Optimalfall ist dann auch ein Platz auf dem Podest möglich.

JH: Nun geht es direkt im ersten Kampf heiß her. Mit dem TSV Gailbach seht am Freitag, den 23.09.2022 ein Kampf vor heimischer Kulisse an. Die zweite Mannschaft muss gegen die ASV Frankfurt-Griesheim antreten. Beide Gastmannschaften gelten als Mitfavoriten auf die Meisterschaft. Wie schätzt du die Chancen im Hinblick auf den ersten Kampftag ein?

MT: Ich stehe ja im freundschaftlichen Austausch mit dem Gailbacher Trainer Christian Schöfer. Ich weiß daher aus erster Hand, dass die TSV Gailbach sehr gut vorbereitet ist und die Zeit seit der letzten Saison genutzt hat. Sie haben sich sehr gut verstärkt und sind einer der Top-Favoriten auf die Meisterschaft. Das Ergebnis wird im Endeffekt vom Ausgang einiger Schlüsselkämpfe abhängen. In jedem Fall können die Zuschauer hier mit Begegnungen auf allerhöchstem Niveau rechnen. Mögliche Begegnungen sind Lucas Diehl gegen Dumitru Strah, Julian Höreth gegen Evgenij Titovski und Marcus Plodek gegen Timo Schadler. Das ist natürlich ganz großes Kino was einen da erwarten wird. Ich schätze die Chancen 50/50 ein und glaube durchaus, dass uns vor heimischer Kulisse ein Sieg gelingen kann. Der erste Kampf ist immer besonders wichtig.

JH: Ich bin auf jeden Fall gespannt und ich glaube die Ringerfans sind es auch. Ich bedanke mich für deine Zeit und freue mich auf den ersten Heimkampf der Bachgau-Bären!


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